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Vor 30 Jahren flog „Goldi“ in Bad Mitterndorf zum WM-Titel und versetzte damit die ganze Nation in Freudentaumel.
Am Kulm bin ich vom Silberberger zum Goldberger geworden.
(Goldberger rückblickend über seinen schönsten Sieg)
Da dieser Triumph vor 30 Jahren einen ganz besonderen Platz in der 120-jährigen Erfolgsgeschichte des Österreichischen Skiverbandes einnimmt, gibt es hier noch einmal einen Auszug aus einem Interview, welches im Vorfeld der Skiflug-WM 2024 mit Andreas Goldberger für das Ski Austria Magazin gemacht wurde.
Lieber Andi, was geht dir beim Wort Kulm durch den Kopf?
Andreas Goldberger: Jedes Mal, wenn ich ‚Kulm‘ höre, reißt’s mich. Ich hatte viele Erfolge, aber am Kulm wohl den schönsten. Ich habe den Gesamtweltcup, die Vierschanzentournee und am Bergisel gewonnen, aber Skiflug-Weltmeister zu werden: das ist die Königsdiziplin – und dann auch noch im eigenen Land. Am Kulm bin ich vom Silberberger zum Goldberger geworden.
Hast du auch Erinnerungen an den Kulm vor deiner aktiven Karriere?
Freilich, da kann ich mich sogar sehr gut erinnern. 1986 war ich bei der WM mit meinen Geschwistern am ersten Flugtag, einen Samstag, zuschauen. Wir sind durch den Wald hinaufgekrochen, um möglichst nahe an den Springern zu sein. Am Sonntag hatte ich leider selber einen Schülerwettkampf. Zwischen den Durchgängen hat uns der Trainer zugeschrien, dass es einen österreichischen Doppelsieg gab. Andreas Felder siegte mit neuem Weltrekord – 191 Meter – vor Franz Neuländtner und meinem Idol Matti Nykänen. Auch der schwere Sturz des Japaners Masahiro Akimoto ist mir in Erinnerung geblieben.
Mit der Goldmedaille zehn Jahre später bist du endgültig in der Herzen der Fans geflogen. Wie reihst du diesen Erfolg in deiner Karriere ein.
Wenn man sich seinen Traum erfüllt, die Goldmedaille überreicht bekommt und die Bundeshymne vor 60.000 Fans hört – dann ist das schon etwas Besonderes. Dieser Tag hat viel in meinen Leben verändert.
Als ich als Letzter in den Balken reingerutscht bin, habe ich mir gesagt: Pokal oder Spital – genauso bin ich weggefahren.
(Goldberger über den Moment vor seinem letzten Sprung)
Auch die Dramaturgie war besonders. Am ersten Tag führte der Finne Janne Ahonen.
Ich kann mich so gut erinnern. Ich war super in Form und nach dem ersten Tag knapp hinter Janne Zweiter. Es war wunderschönes Wetter, aber „arschkalt“. Im ersten Durchgang habe ich gleich einen super Flug erwischt.
Dann bist du zum Schluss als Letzter oben gesessen.
Ein Moment, den ich nie vergessen werde. Ich habe mitgekriegt, dass Ahonen vor mir 194 Meter gesprungen ist. „Das werde ich nicht schaffen“, war mein erster Gedanke – auch weil der Rückenwind stärker wurde. Dann ist Christof Duffner 199 Meter gesprungen. Ich dachte: Wenn mein Freund ‚Duffi‘ das kann, dann bring‘ ich das auch zusammen. Als ich in den Balken reingerutscht bin, habe ich mir noch gesagt: Ich will sicher nicht mehr Zweiter werden. Ich muss gewinnen, alles andere ist mir wurscht. Pokal oder Spital – genauso bin ich weggefahren.
Und kurz darauf bei 198 Meter gelandet.
Es war der Pokal (lacht). Als ich kurz vor der 200er Marke mit schönem Telemark gelandet bin, da hab‘ ich gewusst: Das muss sich ausgehen! Im Auslauf sind die ganzen Nationen-Fahnen im Schnee gesteckt. Ich habe mir eine rot-weiße geschnappt, sie geschwenkt und mir noch gedacht: Hoffentlich ist das jetzt nicht polnische. Als auf der Anzeigetafel die 1 aufleuchtete, fiel der ganze Druck ab. 60.000 Menschen haben geschrien, den Stadionsprecher hat man gar nicht mehr gehört.
Sonst noch Erinnerungen an diesen Moment?
Janne Ahonen ist mittlerweile ein guter Freund. Aber damals wollte er unbedingt gewinnen und war stinksauer. Bei der Pressekonferenz hat er nur drei Wörter gesagt: „Sorry, no English“. Aber ich weiß, der kann extrem gut Englisch (lacht).