Mit Zug zum Tor

Lokführer und Masters-Skirennläufer Otto Unterkofler im Portrait

© Gerhard Berger

Wie auf Schienen

Otto Unterkofler aus Salzburg zählt zu den erfolgreichsten Masters-Skirennläufern der Welt. Als Lokführer ist der 60-jährige auch beruflich flott unterwegs und beweist in beiden Welten sein außergewöhnliches Gespür für Geschwindigkeit.

Den olympischen Super-G der Damen in Cortina verfolgte Otto Unterkofler im Fernsehen aus einem etwas anderen Blickwinkel. Die Tofana-Strecke, auf der Conny Hütter zur Bronzemedaille raste, kennt der Masters-Athlet schließlich aus erster Hand. Drei Tagesbestzeiten bei drei Rennen hat der jahrzehntelange „Abräumer“ der Masters-Szene im traditionsreichen, italienischen Skiort bereits eingefahren. „Natürlich kann man das nicht miteinander vergleichen, aber es ist schon klasse, wenn man einzelne Abschnitte der Weltcupstrecken selbst schon einmal gefahren ist. Da hat man gleich einen ganz anderen Bezug“, sagt Otto Unterkofler, der auch auf weltbekannten Rennpisten wie der Stelvio in Bormio oder dem Lauberhorn in Wengen schon im Renntempo unterwegs war.

Meine Ski-Kondition hole ich mir fast ausschließlich beim Freifahren.

Otto Unterkofler

Für ihn bedeutet der Masters-Sport allerdings weit mehr als nur Wettkampf. „Neben vielen gewonnenen Freundschaften sind die Reisen in neue Länder und Skigebiete für mich das Allerschönste. Sonst wär‘ ich ja immer auf dem gleichen Hang unterwegs“, erklärt der Salzburger, der seit 1998 an internationalen Wettkämpfen teilnimmt und seit 2002 auch regelmäßig Gast bei der Masters-WM ist. Meist, nicht ohne danach mit jeder Menge Gastgeschenken in Form von Medaillen die Heimreise anzutreten.

Persönlichkeit der Masters-Szene

Gemessen an seinen Erfolgen zählt Otto Unterkofler neben Größen wie den Brüdern Paul und Josef Fuchs, Rainer Herb oder Gottfried Ascher längst zur „Creme de la Creme“ der internationalen Masters-Szene. Unfassbare 21 Weltmeistertitel zieren seine sportliche Vita. Diese Erfolge sind schön, aber für Unterkofler in punkto Motivation nur zweitrangig. „Bei solchen Großevents erlebt man einfach sehr viel und lernt nette Menschen und traumhafte Skigebiete kennen“, erzählt er und gerät bei Destinationen wie Sun Valley oder Val Thorens richtig ins Schwärmen. „Wichtig ist aber auch, dass meine Frau die Leidenschaft fürs Skifahren teilt und mich zu vielen Rennen begleitet.“

Seine langjährige Begeisterung für den Skisport hat auch berufliche Gründe. Seit fast 40 Jahren ist Unterkofler bei den ÖBB als Lokführer tätig und durch diverse Eisenbahnerrennen, die ihn seit seiner Ausbildungszeit begleiten, blieb er dem Skisport stets verbunden. „Da gab es alle zwei Jahre nationale Titelkämpfe und alle vier Jahre Europameisterschaften – dadurch bin ich immer drangeblieben“, erzählt der sechsfache EM-Goldmedaillengewinner.

Die Weisheit, dass gute Sportler auch im Berufsleben erfolgreich sind, trifft jedenfalls auch auf Otto Unterkofler zu, der sein außergewöhnliches Gefühl für Geschwindigkeit – sowohl im Führerstand als auch auf zwei Brettern – stets unter Beweis stellt.

„Schneller bin ich aber mit dem Zug“, schmunzelt er. Bis zu 230 km/h erreicht der Railjet auf der Weststrecke zwischen Salzburg und Bludenz. Doch auch die Piste liefert beeindruckende Geschwindigkeiten: „Ich erinnere mich an einen Super-G in Abetone – da hatten wir 100 km/h im Schnitt.“

Da ist es wenig überraschend, dass der Super-G seine bevorzugte Disziplin ist. „Der Riesentorlauf ist die Basis, keine Frage. Aber wenn ich wählen müsste, würde ich sagen: Super-G. Ich liebe die Geschwindigkeit – dieses Gefühl, über eine Kuppe zu fahren und das Tempo und die Linie richtig einschätzen zu müssen. Das taugt mir einfach.“

Während sich viele Masters-Kollegen regelmäßig in Gruppen zum Stangentraining treffen, holt sich Otto Unterkofler seine Form beinahe ausschließlich beim Freifahren. „Für meine Ski-Kondition fahre ich so eineinhalb Minuten-Strecken zehn bis zwölf Mal am Stück“, erklärt der Masters-Rennläufer, der vor allem auf der Postalm oder am Sandling seine Schwünge zieht. Im Sommer hält er sich mit Radfahren, Wandern oder Kajak fahren am See fit – „aber nichts Extremes“, so der frühere Landesliga-Kicker, der bis zu seinem 35. Lebensjahr auch dem runden Leder nachjagte.  

Rennläufer aus Leidenschaft

Dem Skisport frönt er seit Kindheitstagen. „Bei den ersten Volkschulrennen hat man ein gewisses Talent erkannt und gesagt: ‚Der fährt aber recht zügig, den sollte man beim WSV integrieren“, lacht er. Mit 23 Meistertiteln ist er heute in seinem Heimatverein längst Rekordhalter. „Im Schülerbereich war ich viel mit Rudi Nierlich unterwegs und wir haben oft gemeinsam trainiert“, so Unterkofler, der an seine Zeiten im Flachgauer Schülerkader zurückdenkt und dabei auch in Erinnerungen schwelgt. „In meiner Kindheit hatten wir in Strobl noch einen kleinen Schlepplift.  Damals konnte ich nach 100 Metern Fußweg schon in die Ski steigen und zum Lift hinschieben.“

Ich bin einfach gerne draußen. Das ist Antrieb genug, um immer was zu tun.

Otto Unterkofler

Trainings-Motivation, um auf der Piste konkurrenzfähig zu bleiben, findet der Rennläufer aus Leidenschaft immer wieder aufs Neue. „Man sucht sich halt Jahr für Jahr ein neues Ziel – wie zum Beispiel heuer die Masters-WM vor der Haustür auf der Reiteralm. Grundsätzlich bin ich einfach gerne draußen, das ist schon Antrieb genug, um selbst immer was zu tun.“ Im Starthaus kommt ihm zudem seine Gelassenheit zugute. „Ich bin grundsätzlich kein nervöser Typ und kann mit Druck umgehen – vielleicht auch wegen meines Berufs, da muss ich ja auch Ruhe bewahren und darf mich nicht stressen lassen.“

Bei der Frage, was ärgerlicher sei, eine vereiste Piste oder ein verspäteter Fahrplan, muss er lachen. „Letzteres – aber dafür können wir meist nichts“, so Otto Unterkofler, der sein Gefühl für Geschwindigkeit, Technik und Timing sowohl auf Schienen als auch auf Skiern perfekt einzusetzen weiß. Und damit seit vielen Jahren eindrucksvoll beweist, dass Skirennsport auf höchstem Niveau keine Frage des Alters ist.

Zur Person:
  • Name: Otto Unterkofler
  • Alter: 60
  • Verein: WSV Strobl (Salzburg)   
  • Klasse: B7
  • Beruf: Lokführer
  • Familie: verheiratet mit Heidi, Patchwork-Familie mit zwei Söhnen, zwei Töchtern und neun Enkelkindern
  • Größte Erfolge: Salzburger Landesmeister (2009 und 2011) in der Allgemeinen Klasse, 21 Masters-Weltmeistertitel (11 x Gold im Super-G, 9 x Gold im RTL, 1 x Gold im Slalom), 6 x Gold bei Eisenbahner-EM, 23-facher Vereinsmeister